Interviews und Beiträge
Es hätte auch anders werden können...
Meistens werde ich auf der Straße von unbekannten Menschen mit Mirza oder Perhan angesprochen, aber da ich in der Zwischenzeit in mehreren Projekten mitgespielt und eine Menge Figuren dargestellt habe, geschieht es vielen, dass sie durcheinanderkommen. Und wenn sie sich dann an keinen Namen erinnern können rufen sie mir „Azra!“ hinterher. Dies ist eine der schlechten Seite der Popularität!
Aber, so wie es schlechte Seiten gibt, so bringt die Popularität auch viele gute Seiten mit. Eine davon ist, dass man sich für Benzin nicht in die Warteschlange stellen muss. Und ganz ähnlich ist es auch mit der Liebe ... – Das war ein Scherz, denn die Menschen haben genau diese Vorstellung über Popularität. Meine siebenjährige Schauspieltätigkeit hat mich so viel verändert, wie mich eine anderweitige Tätigkeit verändert hätte. Also, heute bin ich von dem sechzehnjährigen Davor genauso weit entfernt wie es notwendig war.
Im Grunde bin ich so wie irgendein „Senad Misic“, der dort irgendwo wohnt, irgendetwas tut und der genau das bekommt was er verdient… So denken meine Eltern, Menschen, die mich kennen und mich umgeben. Es wäre anders, wenn ich irgendwo in Amerika, Italien irgendwo im Westen wäre, zu viel Geld hätte, einen Porsche fahren würde usw.
Ich würde gerne im Ausland arbeiten, aber nur etwas was mir liegt und was ich richtig gut machen könnte. Aber einem Bosnier fällt es schon in Slowenien etwas schwer, von einem fremden Land ganz zu schweigen. Ich experimentier nicht gerne mit Unbekanntem. Solch eine Beziehung habe ich auch zu meinen Eltern. Ich würde immer eher mit denen zusammenarbeiten, in deren Projekten ich bereits mitgewirkt habe, als mit jemand, dessen Arbeitsmethoden und –Konzepte ich nicht kenne, egal wie sehr mir seine Arbeit gefällt. Denn die Tatsache dass mir die Filme desjenigen gefallen, bedeutet nicht dass wir zwei gut zusammenarbeiten könnten. In dem was ich und wie tue, überhaupt lebe, gibt es gar keine Philosophie, und alles ist
viel einfacher, als ich es erzählen könnte. So ist es auch mit meiner Arbeit. Heute
lese ich mir das Szenario durch und hab es bis morgen vergessen. Wenn ich dann zum Dreh erscheine, läuft alles spontan ab. Szenografie, Kostüme, Regen oder Sonne haben Einfluss darauf, was ich tun werde, unabhängig davon was im Drehbuch steht. Dies ist wahrscheinlich so, weil meine ersten
schauspielerischen Erfahrungen mit Kusta (Emir Kusturica) verbunden sind, und er handhabt es genau so.
Emir Kusturica ist der „Hauptschuldige“ warum ich heute als Schauspieler tätig bin. Hätte ich den ersten Film zufällig mit einem anderen Regisseur gemacht, hätte ich es sicherlich nicht wiederholt. Es begann alles ganz zufällig. Mit dem Film „Papa ist auf Dienstreise“, 1984. Sie waren auf der Suche nach jemanden, der Mirza hätte spielen sollen. Sie hatten Castings, viele hatten sich gemeldet, doch niemand hat ihnen entsprochen. Als sie dann ins Café auf einen Drink vorbeischauten, „fanden“ sie mich. Ich war fast fertig mit der Grundschule und die Möglichkeit zu schauspielern, erschien mir sehr interessant. Bei dem Dreh dann, hat mich alles andere mehr interessiert als die Schauspielerei. Eher lernte ich alles über die Kamera, als über meine Rolle. Geschauspielert habe ich dann, wenn es sein sollte und auch wenn nicht, wenn die Kameras an waren, und auch dann wenn diese aus waren.
Begeistert hat mich die Freundschaft mit Mustafa Nadarevic, Miki Manojlovic, Mirjana Karanovic, denn in einem ausgewählten Kreis sind sie ganz normale und gute Freunde und am wenigsten „Stars“. Nach „Papa“ habe ich mich entschieden, mich bei der Filmakademie anzumelden. Es klappte nicht und ich hab’s danach auch nicht mehr versucht. Heute, nach sieben Jahren Erfahrung und meiner Arbeit in diesem Beruf benötige ich sie auch nicht mehr. Dann hat dieser Film die Goldene Palme in Cannes gewonnen und mir wurde klar, dass das alles mehr als nur ein Spiel war. Ich musste darauf achten, was ich sagte und mit wem ich rede. Und das gefiel mir, so wie die Möglichkeit in zehn Tagen 17mal mit dem Flugzeug zu reisen, und bis dahin saß ich kein einziges Mal in einem.
Alles geschah irgendwie viel zu schnell und aus der Reihe. Ich glaube, dass alles noch viel schöner gewesen wäre, wenn mir all die Dinge passiert wären, wenn ich Reifer gewesen wäre. Für das normale „erwachsen werden“ hatte ich keine Zeit. Ich musste viel schneller als meine Altersgenossen viele Dinge lernen, um mich in der Gesellschaft, in dessen Kreisen ich mich den Umständen entsprechend befand, integrieren zu können. Ich musste mich schnell anpassen lernen um mit denen normal reden und kommunizieren zu können. Heute freue ich mich darüber, dass in meinem ganzen Leben alles genau so geschah, weil keine Schule mir das je hätte bieten können.
Eine typisch amerikanische Geschichte?
Ist dieses doch nicht vielleicht eine typisch amerikanische Geschichte, bzw. eine aus dem Westen?
Ach, wo wäre ich jetzt, wenn ich irgendwo dort drüben über dem großen Wasser wäre? Wer hätte mich dann noch aufhalten können? Dort ist es nur wichtig zu beginnen, während sie dich hier nicht aus den Händen lassen bis sie dich nicht physisch als auch psychisch mit der Schule zerstört haben. Bin irre geworden. Hier sehen Sie, ich kann nicht mal jetzt, aus drei Versuchen richtig den Schulkurs bei Namen nennen, den ich in Bosanska Krupa besucht habe. Ich glaube: Kultur-, nein, Bildungs- und Kultur-Übersetzungskurs. Da sehen Sie was die Genies sich da ausgedacht haben. Ist kein Wunder, dass uns die Profs für eine dumme Generation halten. Wie sollen wir auch Klever sein, bei all dem Unsinn den sie selbst verzapft haben…. Ich wünsche mir nur die Aufnahmeprüfung bei der Schauspielakademie zu bestehen und die dann alle abzuhängen…
Ist es dir nicht vielleicht ein wenig unangenehm, dass die Leute dich, den Schauspieler, hier am Marktstand stehen sehen?!
Einerseits trifft es vielleicht zu, aber andererseits ist es mir sch…. egal. Ich weiß auch so noch nicht was ich machen soll. Wenn man alles addiert und subtrahiert ist bei mir nichts regulär abgelaufen. Bis zur vierten Klasse war ich der beste in der Schule und dann wurde ich der Schlechteste. Auf die Welt kam ich unspontan, obwohl Vater sagte, er hatte erwartet, dass Mutter wieder eine spontane Geburt hätte. Die Filmrolle bekam ich nicht zufällig, obwohl es später so behauptet wurde.
Kannst du uns das ein wenig genauer erklären?
In der Film-, bzw. das Team von „Papa ist auf Dienstreise“ bin ich mittendrin eingesprungen. Während Vater sein Bierchen im Biergarten von „Dalmatien“ trank, Sie wissen schon, der Kneipe am Markt, sprach ihn ein junger Mann an und sagte sein Name sei Ciro Mandic. Er sprach so ungeschickt, wie er sich auch bewegte, so dass mein Alter dachte, er nimmt uns auf den Arm, als er sagte sie würden mich für eine Filmrolle nehmen. Vlatko, mein Alter, antwortete: „Ja klar, aber nur wenn er Marlon Brando darstellen wird und Mara, die Köchin, die verstorbene Merilin Monroe ... Natürlich, später wurde ihm klar, dass die nicht gescherzt haben. Beziehungsweise, er sah ein, dass Kusturica ein „großer“ Mann war und mich zu meinen Träumen bringen wird. Beidhändig überließ er mich ihm.
Emir Kusturica hat dir wirklich geholfen?
Mehr als das, und nicht nur uns, sondern allen. Jedoch, glaube ich, dass unser Städtchen
immer noch nicht weiß, wen sie da haben. Vielleicht bin ich dumm, wie meine Profs es sagen, aber
ich bin kein Volltrottel um einige Dinge nicht zu kapieren. Wir hatten ein Attentat auf Franz
Ferdinand, Olympische Spiele, und Kusturica, zähle ich dem Lehrer die Sehenswürdigkeiten
von Sarajevo auf, und er malt mir daraufhin eine sechs über die ganze Seite im Klassenbuch. Primitiv, er trägt „Nike’s“, ein Jeans-Imitat aus Istanbul und denkt dies sei die fortschrittliche Intelligenz. Und das Theater hat er nicht mal auf `ner Postkarte gesehen. Kusturica ist eine lebende Legende…
Es sieht so aus als wärst du wütend?
Nein, aber wie ich höre, verzögern die wieder etwas wegen diesen neuen Film „Time of the Gypsies“.
Es hat mich wirklich gefreut, als ich hörte, dass er irgendwo gesagt hatte, dass von den Schauspielern nur ich eine sichere Rolle in diesem Film habe.
Das ist der Grund, warum du ihn so sehr verteidigst?
Auf keinen Fall, es ist ja nicht nur, dass er ein großer Regisseur ist, sondern auch ein großer Mann, LAF, ein Kumpel von der Straße ...
In deinem zweiten Film, „Strategie der Elster (The Magpie Strategy)“, haben sie dich ohne Bedenken ins Team geholt?
Ja, denn der Regisseur Zlatko Lavanic war Assistent bei Kusturica, so dass er wusste was
ich kann und gab mir die Rolle des Enkels von Pepi Lakovic, Buda junior. Zu neunzig Prozent in
der Rolle bin ich stumm, so dass ich Unterricht für die Gebärdensprache nehmen musste, Sie wissen schon, die Gestikulationen der Taubstummen. Pepi Lakovic und Nada Djurevska haben mir viel geholfen und Zlatko natürlich, während die anderen im Team ausschließlich für und um sich, aber gar nicht bei sich selbst waren, so schien es mir. Insbesondere Cveja-Branko Cvejic und Radmila Zivkovic.
Die Schule besuchst du außerhalb der regulären Zeit, dein Taschengeld vierdienst du dir mit der Arbeit auf dem Markt. Was ist mit dem Honorar?
Alles ist an meinen Alten gegangen. Die Scheine wurden auf sein Konto geschmissen. Ich habe einzig eine Lungenentzündung bekommen, bis er sich nicht entsann mir diese warme Windjacke zu kaufen.
Was geschieht, wenn sie dich nicht in die Schauspielakademie aufnehmen?
Ich werde die Aufnahmeprüfung solange wiederholen, bis Boro Stjepanović nicht in den Ruhestand geht. Ich habe ja auch noch die abgeschlossene Musikgrundschule. Obwohl Vater der Meinung ist, dass ein solcher Trampel wie ich, auch eine Schulbildung seiner Höhe haben sollte, also die höhere Musikschule. Und auf dem Markt gibt es immer Arbeit.
Ich werde mich schon irgendwie zurechtfinden (durchboxen)! Soll nur Kusta wieder durchstarten und dann heißt es: Tschüss ihr Trottel. Davor fährt (steigt in)(spielt ab) seinen alten Film!
Die Welt ist wie ein Truthahn
In der Realität: Perhan ist Davor Dujmovic, ein Junge von 19 Jahren, aus Sarajevo (Sarajevoer). Er hat
außerordentlich die Mittelschule (will nicht sagen welche) abgeschlossen. Die Prüfungen legte er
völlig anonym ab und versuchte sich aus den Augen (vom Gesicht) nicht ablesen zu lassen, dass er ein Schauspieler ist, der bereits 3 Filme hinter sich hat (er spielte in: „Papa ist auf Dienstreise“ den älteren Sohn der Familie, „Strategie der Elster“ und jetzt im „Time of the Gypsies“ mit). In beiden Filmen von Kusturica spielt er auf der Ziehharmonika. Bei dieser Feststellung gibt er gerne zu, dass er noch eine abgeschlossene Schulbildung hat (Musikgrundschule). Er hat einen jüngeren Bruder und eine Schwester, Vater und Mutter. Die Familie hat sich bereits daran gewöhnt einen Schauspieler zu haben und wie Davor es sagt nehmen das zu hause alle ganz normal hin.
Wie bist du zum Film gekommen?
Ganz zufällig. Kusta hat mich in der Kneipe „Dalmatien“ gefunden, wo ich mit meinem Vater saß. Später haben sie mich, nach „Papa“, zum Dreh eingeladen.
Bindest du deine Zukunft an den Film, oder denkst du daran, wenn die Aufnahmen beendet werden erneut ein Student/Schüler zu werden?
Den Film werde ich verlassen, wenn das ein schlechter Job wird, und es wird schlecht werden, wenn ich gehe (ergänzt er durchs Lachen)
Jemand hat schon gesagt, dass du nach dem Ausstrahlen dieses Filmes der berühmteste Zigeuner/Roma auf der Welt sein wirst. Wie siehst du das?
Der Film ist ausgezeichnet und wahrscheinlich wird er mir das ermöglichen.
Ist es eine harte Arbeit, und kannst du uns einige interessante Dinge vom Dreh erzählen?
Es war fast unvorstellbar schwierig, doch gleichzeitig war es so schön, dass nicht einer daran dachte, die Arbeit aufzugeben. Wir haben neun Monate gearbeitet. Begonnen haben wir bei einer Temperatur von etwa plus 40 Grad und gerieten in schneidende Kälte.
Der Film handelt vom Leben der slowenisch-kroatischen Roma („Zigeunerleben“). Das zwang mich auch bei großer Kälte Barfuß und nur in Unterhosen durch die Gegend zu laufen. In Mailand, zum Beispiel, schwamm ich bei minus 15 Grad im Kanal. Das war unmöglich. Wenn ich aus dem Wasser tauchte, in das mir irgendein Goldstück hineingefallen war, musste ich:“ Scheiß Wasser!“ sagen, jedoch habe ich das vor lauter Kälte ein paar Mal vergessen, so dass wir die Szene wiederholen mussten.
Der Film ist so traurig, sagen diejenigen, die ihn gesehen haben, dass selbst die Teammitglieder in einigen Szenen während dem Dreh geweint haben …
Ja, dass haben sie. Und das ist gerade am unglaublichsten. Ich habe nicht geweint, weil ich genau in diesen traurigen Szenen mitgespielt habe. Aber, stellen Sie es sich vor, wenn die Menschen weinen trotz all dem Lärm , Kabel, Kameras, Reflektoren, dann sind das Tatsachen die wahrhaftig einiges aussagen. Denn es war nicht mehr nur Film. Das war die Wahrheit für uns alle.
War es schwer, sich in das Leben der Zigeuner zu integrieren /anzupassen, sich an etwas zu gewöhnen was für dich neu war, etwas was eine einfache Welt ist, die erst aufkeimt/ emporquillt in diese Zivilisation einzigartige Erfahrung?
Es war schwer. Am Anfang war es für mich als würde ich mit Außerirdischen zusammenarbeiten. Jedoch waren sie ausgezeichnet. Sie haben sich uns sehr schnell angepasst. Den größten Kontakt im Film verwirkliche ich, so zu sagen, mit Ljubica Adzovic - sie ist meine Großmutter. Und es war schön mit ihr zu arbeiten. Unglaublich, aber sie hat nicht geschauspielert. Sie hat sich nur so benommen, wie ihr es Kusturica erklärte, und dem Ganzen ihre riesige Lebenserfahrung hinzugefügt.
Was war es, was die Teamzusammengehörigkeit am meisten gestärkt hat?
Das war natürlich Kusturica, eine erstaunliche Autorität und dann auch die Freundschaft, die
sich zwischen uns entwickelt hat.
Du bist der tragische Held des Films, meistens einsam oder mit dem Truthahn. Was für ein Schicksal hat euch verbunden?
Der Truthahn ist eigentlich immer der einzige auf meiner Seite ist. Er ist stets in meinen Träumen. Aus eigenem Wunsch, jagte ich ihn fort von mir, als ich mich aufmachte um Azras Hand anzuhalten, denn da bin ich bereits erwachsen und selbständig, aber kurzdarauf kehrte ich in meinen Gedanken immer wieder zu ihm zurück. Jedoch, ereilte den Truthahn ein übles Schicksal. Gemäß dem Szenario hat ihn mein Film-Onkel aufgegessen. Das hat mich dennoch nicht davon abgehalten die ganze Welt als einen besseren oder schlechteren Truthahn zu erleben / betrachten.
Der Film ist eine Liebesgeschichte mit tragischem Ende. Die Figur des Perhan entwickelt sich von einem zwölfjährigen Jungen zum Vater, der am Ende umkommt. Erzähl uns doch, Davor, wie
du als Schauspieler diese enorme Transformation durchlebt und deine „Film-Liebe“ erlebt hast?
Als erstes musste ich lernen, dass die Frau für die Roma/“Zigeuner“ Eigentum ist und es in der Liebe keine große Wunder oder Überraschungen gibt. Da ich jedoch kein „blutsreiner“ Roma/“ Zigeuner“ bin, sondern zu Hälfte ein „Soldaten-Bastard“, erlebe ich das alles auf eine andere Art und Weise. Jedoch ist die Figur des Perhan so konstruiert, dass er am Ende selbst zum Bösewicht wird, und da alle anderen Bösewichte in dem Film bereits getötet wurden, so bleibt nichts anderes übrig
als das Kusturica auch mich am Ende „tötet“.
Wie siehst du deinen „Reifeprozess“ im Film. Du bist dabei ja auch Vater geworden?
Alle neun Monaten während der Aufnahmen, habe ich mit dem Szenario gelebt, so das es mir zur Normalität wurde. Allerdings gibt es in dem Film so viele Wunder, so dass das „Vater-werden“ noch zu den normalsten Sachen zählt.
Verrate uns einige dieser „erstaunlichen/ verwunderlichen /wundersamen“-Szenen.
Nun, wenn wir bereits die Tatsache akzeptieren, dass es ein Film über die Zigeuner / Roma ist, einem Volk, das phantasievoll ist und an etliche Wunder glaubt, dann ist alles was Kusturica in den Film eingebettet hat in solch eine Welt integriert und erscheint als das einzig Mögliche. Zum Beispiel, wenn mein Frau im Film bei der Geburt stirbt, geht sie in den Himmel, in den ersten Szenen fliege ich ebenfalls in 42 Mete Höhe, aber dass alles werdet ihr selbst sehen ...
Der Film wurde in der slowenisch-kroatischen Roma-Sprache gedreht. Wie lief das Lernen?
Wunderbar. Als erstes muss man das Schimpfen erlernen, und dann geht alles von selbst.
Kannst du uns zum Schluss auch noch etwas über deine Schauspielstrategie sagen?
Was bedeutet dir das Schauspielern? Du hast mit Laiendarstellern, aber auch mit Schauspielern wie Miki Manojlovc und Bora Todorovic zusammengearbeitet.
Mir liegt mehr die Laienschauspielerei. Aber letztendlich haben sich, sowohl die einen als auch die anderen, an die Anweisungen des Regisseurs zu halten.
Wie ist Kusturica als Regisseur?
Ich habe nicht mit vielen Regisseuren zusammengearbeitet um ihn vergleichen zu können, aber für mich ist er der beste.
Die Premiere ist morgen Abend. Wie erwartest du sie, bist du gelassen? Tatsache ist das du nach der Filmvorführung zu einem weltweit bekannten Gesicht wirst.
Ich wünsche mir das all das so schnell wie möglich vorbeigeht und das Publikum seine Meinung dazu äußert. Dann erst werde ich mich vollständig entspannen können. So befinde ich mich immer noch in einem seltsamen Zustand. Am schwersten fällt es mir, mir Gedanken darüber zu machen, was all diese Leute über mich oder den Film denken. Aber zum Glück dauert das alles viel kürzer als der Dreh, als auch der Film selbst.
Wie hynotisiert man einen Truthan?
Gemessen an der Erfahrung von Davor Dujmovic, den wir zur Zeit in der Serie „Time of the Gypsies“ als Perhan sehen können, ist nichts leichter als Schauspieler zu werden. Es genügt 14 Jahre alt zu sein, ein starmalo Gesicht zu haben und sich in dem gleichen Café mit dem Regisseur aufzuhalten, der genau solch einen Jungen für seinen nächsten Film benötigt. Wenn noch dieser Regisseur Emir Kusturica ist, und der Film „Papa ist auf Dienstreise „ heißt, wird der erste Schauspielversuch des Jungen, der bis dahin noch nicht einmal ein Wort bei irgendeiner Schulveranstaltung gesprochene hat, leicht zu mehr als nur einem Spiel.
Die Erfolge des genannten Films und des kleinen Newcomers, haben dazu beigetragen, dass Davor, sozusagen als Amulett, vom Kusturicas Kollegen und Mitbürger Zlatko Lavanic im Film
„ Strategie der Elster „ engagiert wurde. Zwei aufeinander folgenden Drehaufnahmen waren absolut ausreichend, damit bei dem Jugendlichen die sineaticka Infektion von Kinderkrankheit zur chronischen wird.
Kurz darauf, sah der ehemalige Einser-Kandidat, der sich in den höheren Klassen der Volksschule schon zum schlechten Schüler entwickelte, dokusuren mit der Ergänzungsprüfung in Chemie bei seinem Abschluss, eher seinen Platz in der Filmwelt als in der Schule. Vermutlich hingerissen (verzückt) von den Auszeichnungen, Zeitungsartikeln und Fotos – waren die Eltern des Jungen damit einverstanden. Ihre Vorwürfe wegen der schlechten Schulnoten, die wohl wie sich Davor erinnert, immer sehr sanft und ohne Ohrfeigen verliefen, wurden durch die Zufriedenheit ersetzt aufgrund neuer Aussichten für die Zukunft ihres Sohnes. Und er hat trotzdem seinen Mittleren Schulabschluss erreicht indem er als ………. Schüler sechs verschiedenen Schulen, durchlief in denen ihm, aufgrund seines „Film-Ruhms“, einige Lehrer manchmal durch die Fingern sahen, und andere aus dem gleichen Grund unnachgiebig waren.
Das Reifer-werden, brachte Davor, neben dem Diplom der Mittleren Schulreife, ein neues, reiferes Aussehen und eine neue Filmrolle. So wurde er zum Perhan in Kusturicas Film und
fünfteiliger TV-Serie, dessen jetzige Ausstrahlung Davors Popularität aus dem vergangenen Jahr, als die Uraufführung, ‚‘Time of the Gypsies“ stattfand, wieder auffrischt. Dies bedeutet, dass er erneut oft Anrufe von den Journalisten erhält und von den Mädels auf der Straße angesprochen wird.
„Den Journalisten erzähle ich meistens das ich kein Bedürfnis zum Reden habe. Diese Begegnungen sind bei uns als auch im Ausland manchmal angenehm, manchmal nicht, hängt von der Länge des Gesprächs ab. Mit den Mädels ist es das Gleiche.“
Es ist keine Schauspielerei, sondern Leben
Perhan Rustem, Roma, nun ein Neunzehnjähriger, ist unser erstes Kind, dass an einen „Besitzer“ verkauft wurde um zu stehlen. Jetzt lebt er in Skoplje, nach vier Jahren Aufenthalt in dem KP- Heim, nackt und barfuß, wie er es auch war, als er als siebenjähriger nach Italien gebracht wurde.
Obwohl nur ein Kind, wurde er sehr schnell zum „Champion des Diebstahls in ganze Italia“, und
seine Bosse und Verwandten, die ihn untereinander weiterverkauften und in diesen acht Jahren
elenden Lebens ausbeuteten , wurden reich und bauten sich Häuser von dem Geld und Gold, das
Perhan in den reichen italienischen Häusern stahl. Und er - wieder auf der Straße, ohne irgendetwas
eigen nennen zu können, bestätigt mit eigener Haut ein altes Roma-Sprichwort „Zigeuner hat zwei
Hände, deshalb um mit eine zu nehmen und mit andere zu geben, und bei ihm bleiben nichts.“
Rustems Lebensgeschichte inspirierte unseren erfolgreichsten Regisseur, Emir Kusturica, den Film ‚‘Time of the Gypsies“ zu machen, der Verwirklichung, über die bereits groß und breit gesprochen wird, und die aus Realität, Visionen und Träumen gewebt ist. Die Hauptrolle, des „Zigeuners“ Perhan hat Kusturica dem ungelernten Schauspieler Davor Dujmovic anvertraut, unserem Gesprächspartner, einem Neunzehnjährigen hinter dem bereits Rollen aus dem berühmtem „Papa“ und Matericevos „Strategie der Elster (The Magpie Strategy)“ liegen.
Der wahre Grund für das Gespräch mit Dujmovic war die Weltpremiere von ‚‘Time of the Gypsies“, als die Spannung ihren Höhepunkt erreichte, unterstützt durch die BEST-Wertungen der Kenner und der Erkenntnis , dass ein solches Film-Spektakel in Sarajevo abgehalten wird.
Alle „Augen“ waren auf „Skenderija“ gerichtet, wo eine Film-Veranstaltung/Parade vorbereitet wurde mit Szenarien ähnlich denen in Hollywood, und die Gespräche in der Stadt endeten stets mit der Frage: „Wirst du dir „Time of the Gypsies“ ansehen? Aber von Davor Dujmovic keine Spur!
Die Telefonnummern wählten wir mit Angst vor dem Scheitern, da wir gehört hatten, dass
er sogar dem vereinbarten Gespräch im TV ausgewichen ist. Doch wir fanden ihn, aber nur
dank der Freundlichkeit und dem Engagement von Freunden aus dem Produzenthaus „Forum“
-Abgemacht, aber hätte mich nicht Tante Andja gefragt...- hat er uns endlich sein Erscheinen bestätigt.
In nebliger, sehr kalter Abenddämmerung von Sarajevo, warteten wir am Ufer auf Dujmovic.
Durchgefroren, erfreuten wir uns der Silhouette, die sich zur vereinbarten Zeit durch den Smog kaum erahnen ließ.
Bist du das, Davor?
Nein, sondern du!
Dies war eine Lausbubenantwort, typisch Sarajevoerisch , die alle Schranken im Kontakt mit unbekannten Leuten niederreißt doch angemessen Dujmovics Alter und Charakter ist. Ein Bursche, einfachen Aussehens und noch einfacherem Umgang, gekleidet in Jeans, fast schäbig, Karo-Hemd und einer „Schofför“-Lederjacke, in die er sich fast bis zu den Ohren verkriecht.
Wir werden nicht lange machen, ne‘? Ich muss noch von meinem Kumpel Winterreifen für „fico“ kaufen, gebrauchte.
Das Gespräch begannen wir queer, isforsirano, und eine recht lange Zeit schafften wir es nicht Davors „Wellenlänge“ zu finden. Und dann, plötzlich, entspannte er sich, ging sogar aus sich raus
und seine immer noch kindlichen Augen begannen in Erinnerungen zu schweifen. Er hat vieles gesagt und etwas schüchtern ließ er uns den Rest erraten. Wir begannen mit dem Anfang. Ab 1983 als ihn Kusturica, auf der Suche nach einem Schauspieler für die Figur des älteren Kindes der Familie Malkoc in dem Film „Papa ist auf Dienstreise“ in einem Restaurant in Sarajevo erblickte.
Natürlich habe ich sofort angebissen. Wie hätte ich das auch nicht sollen, denn ich war damals 13 Jahre alt, und das ist das Alter, in dem du dir Gedanken darüber machst, ob du eher ein Pilot oder ein Astronaut werden möchtest. Und zum Film? Das ist doch noch attraktiver.
Die späteren Erfolge von „Papa“, haben keinen Einfluss auf Davors Privatleben. Kurzdarauf erhält er eine Rolle in dem Film „Strategie der Elster“ und erfährt noch während der laufenden Dreharbeiten von dem Fahrer des Teams, dass Emir Kusturica beabsichtigt ihn für die Hauptrolle in seinem neuen Film zu engagieren.
Hat da das Herz schneller geschlagen?
Ja schon, muss ich gestehen. Aber, ich glaubte es nicht.
Dennoch geht er zu den Probeaufnahmen nach Skopje, wo er erfolgreich seine eventuelle Konkurrenz aussticht. Davor wird Perhan. Die ersten Tage die er in dem Roma-Viertel „Sutka“ verbrachte,
hinterließen einen tiefen Eindruck auf ihn. Wie denn auch nicht, denn dort, wie man annimmt, leben vierzigtausend Roma, vorwiegend in Armut, und so ungewöhnlich glücklich in ihrem Unglück, wie auch lebensfreudig in eigener Haut.
Hattest du Angst vor einer so großen Rolle?
Nur am Anfang. Später tauchte ich in alles Schrittweise ein. Und als sich die vorgesehenen drei Monate Drehaufnahmen auf neun ausdehnten, schien es mir, dass es kein Ende nimmt. Und nun wiederrum
würde ich alles geben, um zurückzukehren, selbst in den schwierigsten Tag der Dreharbeiten.
Sahst du deine Tätigkeit als Arbeit oder Vergnügen?
Mehr als eine große Verpflichtung, aber gegenüber einem Freund. Morgens, wenn ich um sechs Uhr, fürs Make-up aufstehen musste, und um drei Uhr nachts erst im Bett lag... es fiel mir schwer. Niemand hätte mich kritisiert, oder mir etwa eine Abmahnung gegeben, aber .., was würden die über mich denken? fragte ich mich, und stand auf.
Davor Dujmovic gibt zu dass er sich anstrengte, aber er sagt, dass es ihm kein Leiden bereitete (dass er kein Leid empfand), da er wusste, dass die anderen sich genau soviel Mühe gaben. Dennoch ergriff ihn oft der Wunsch einfach nach Hause zu gehen, und dass das alles ein Ende nimmt. In der Zeit von neun Monaten (die Dreharbeiten begannen bei plus vierzig Grad und einige Szenen wurden bei minus zehn Grad im Wasser gedreht, nur in Unterhosen gekleidet) hatte er nur drei Tage frei. Die restlichen verbrachte er vor der Kamera.
Wie ist es mit Kusturica zusammenzuarbeiten? Wie schafft er es aus einem Laiendarsteller, das Beste rauszuholen, das was später auch von der Welt bewundert wird?
Ich habe mich nie mit ihm hingesetzt und über die Schauspielerei gesprochen. Er kompliziert
nichts, so dass der Eindruck entsteht, es handelt sich nicht um Schauspielerei sondern ums Leben. Wenn ich etwas mache, gibt er mir Suggestionen in der Art: das musst du so, so ist es gut, hier wirst du lauter, usw. Genau das gefällt mir bei ihm so sehr, diese Einfachheit.
Und kann er auch wütend werden?
- NAAAA JAAA, doch, doch das kann er weiß Gott. Da wir in diesen neun Monaten, nicht alle Tage waren und konnten auch nicht die besten sein, wurde er auch wütend.
Und wenn es gut ist, zeigt er das?
Nein. Wahrscheinlich damit ich nicht weiß, dass es gut war und damit ich mich weiterhin bemühe es noch besser hinzukriegen. Damit ich weiterkomme. Niemals hat er mir gesagt: „Das ist gut!“ oder „Gratuliere“.
Davor schweigt und schwelgt in Erinnerungen, und dann während er uns erklärt, dass er es dennoch verstand Kusta (Kusturica) „zu durchschauen“, nennt er uns ein Beispiel.
Die Dreharbeiten fanden im Haus der Oma statt. Eine schwierige Konfliktszene mit meinem Onkel, als ich nach meiner Rückkehr aus Italien Azra schwanger vorfinde, da er sie vergewaltigt hatte. Auf alle Fälle, um nicht mit den Details zu übertreiben, schreie ich ihn an, er weint... und all das passiert „in der Luft“. Das Haus ist nämlich von einem Kran auf den Haken genommen worden, was ich in meiner Wut tat, so wie es früher der Onkel machte. Eine qualvolle Szene, rührend... Auf einmal sehe ich von oben das ganze Team und die Vielzahl der Roma aus der Siedlung, die immer um uns herum waren und einen unerträglichen Lärm machten, aber ich höre nichts. Nur ein zustimmendes Schweigen. Man konnte den Flügelaufschlag einer Fliege hören. Und Kusturica weinte. Da wusste ich, dass es gut war.
Auf die Frage, ob man ihn wie ein Hauptdarsteller behandelte, antwortet Davor, angeblich verärgert: „Ha, ganz und gar nicht!“ Und dann, erklärt er uns schnell, um Missverständnisse zu vermeiden, dass alles nur deshalb genauso wurde wie es ist, weil niemand der WICHTIGE war! Warum sollte sich dann Davor so etwas wünschen? Aus diesem bescheidenen Jungen, an der Schwelle von zwanzig
Jahren, kommt oft das Kind zum Vorschein. So ist es auch während er erzählt wie er fünf oder sechs
weiterführende Schulen besucht hatte, jedoch die …… absolvierte - die schlimmste! Eine Klasse auch in Bosanska Kupa, wo sie gedreht haben: „Kein Vitamin B, bei dem Leben meiner Mutter, ich saß und lernte“. Wir erfahren dass er die ….. Musikschule, Abteilung für Akkordeon und Klavier, absolviert hatte und mit der Mittelschule begann, wo er Fagott spielte. Er kam nicht weiter als bis zur ersten Stufe.
Einst war ich mal der beste Schüler, dann verschlechterte ich mich, und schließlich, schaffte ich es der Schlechteste zu werden. Nachher habe ich mich wieder zusammengerissen.
Kindisch wirkt er auch wenn er von den Reisen erzählt und wie sie sogar drei mal in Rom waren: Wir sind auf den Geschmack gekommen, ha, ha ...
Oder wenn er über Sinolicku Trpkovu, der schönen Schauspielerin aus dem Film, sagt: „Sie ist geil!“ – Wie dem auch sei Davor Dujmovic fesselt mit seiner Sympathie. Das Geld, sagt er, ist bei alledem keine Motivation. Selbst das, was er verdient hat, verschwand „als ob es nie da gewesen wäre.“ Es blieb nur der acht Jahre alter „Fico“, den er von Kusta (Kusturica) erwarb.
Aber ich habe ein pride Getriebe bekommen!
Nach dem Fotoshooting testen wir den „fico“ mit gemischten Gefühlen. Wir fahren zu Alipaschas
Feld, einer Siedlung in Sarajevo, wo Davor wohnt, eigentlich gleiten wir mehr, da die Winterreifen, wie gesagt, noch gekauft werden müssen.
Das höre ich, sagt Dujmovic und es ertönt die Musik von „No smoking“.
Auf dem Boden seines Aschenbechers sehen wir die Aufschrift: „No smoking“.
Ist es Werbung oder ein Verbot?
Nimm‘s, wie du es willst, sagte Davor und verschwand, wer weiß wohin!
Nach Papa
Nach dem Film „Papa ist auf Dienstreise (Otac na sluzbenom putu)“, der die Goldene Palme im Cannes gewann, beschloss er sich bei der Filmakademie anzumelden.
Die Aufnahmeprüfung bestand er nicht, und er versuchte es auch nicht erneut.
Es folgte eine wichtige neue Rolle für Davor im Film „Strategie der Elster (The Magpie Strategy)“(Strategija svrake).
Mit weniger als 18 Jahren erhält Davor Dujmovic die Hauptrolle im nächsten Film von Emir Kusturica, „Time of the Gypsies“ (Dom za vesanje), wegen dem er zu einem der fünf besten Schauspieler Europas ernannt wurde. Davor und seine Partnerin, Sinolicka Trpkova, im Film (Azra) sind für das beste Film-Paar in Ex-Jugoslawien erklärt wurden.Danach spielt er in seiner ersten Theaterrolle den Kapitän Skot in Sarajevos „Mondschauspiel“ (Mjeseceva predstava).
Dujmovic wurde von Kritikern, bei Weltpremieren der Filme in denen er gespielt hat, mit Dustin Hoffman verglichen, dem Schauspieler nach dem Szenarien geschrieben und abgeändert wurden.
Davor Dujmovic setzt seinen erfolgreichen Weg fort. Unter der sicheren Führung von Emir Kusturica dreht er den neuen Film „Time of the Gypsies“, von dem man eine Menge erwartet und das nicht ohne Grund.
Und glauben Sie mir, ich am meisten. Wenn sie mich auch nach diesem Film nicht auf die Schauspielakademie aufnehmen, habe ich beschlossen, meine Karriere außerhalb fortzuführen.
„Papa ist auf Dienstreise“ und jetzt auch „The Magpie Strategy“ haben mir geholfen, dass mich die Leute auch außerhalb unserer Grenzen kennenlernen. Ich hoffe, dass sie, im Gegensatz zu
unseren akademischen Professoren, meine Arbeit zu schätzen wissen. In der Welt verwirklichen Schauspieler eine lebenslange Karriere Dank einem Filmchen, und ich habe bereits zwei gedreht und zwar richtige Filme…
Nach Zigeuner
Nach der Premiere von „Time of the Gypsies“ wird Davor Dujmovic wahrscheinlich die Persönlichkeit Nr.1 sein. Diesen jungen Laiendarsteller bemerkten wir bereits vor vier Jahren, in dem Film „Papa ist auf Dienstreise“, in der Rolle des älteren Sohnes. Jetzt sehen wir Ihn in der Rolle des jungen Roma Perhan, Junge-wachsen, den das Leben gar nicht schont. Über ihn sagt Kusturica kurz: „Dujmovic hat mit seinem Geist den Film bereichert, ein merkwürdiger Bursche. Einer von wenigen Menschen auf den man sich in jedem Moment verlassen kann. Einfach gesagt, er ist ein Mensch, wie wir ihn heute selten treffen. Dujmovic ist derzeit im Urlaub in Sarajevo, wo er sich, wie er sagte, Gedanken macht wie es nun weitergehen soll. Für Kusturica und den gerade abgeschlossenen Film hat er nur Worte des Lobes übrig.
Er möchte seinen Weg in der Filmbranche machen, aber nicht aus materiellen Gründen. Der Film zieht ihn an und sitzt in jeder Pore des Neunzehnjährigen.
Nach drei gespielten Filmen „Papa ist auf Dienstreise“, „The Magpie Strategy“ und „Time of the Gypsies“ habe ich meine Erfahrungen gesammelt, bin aber auch zur Erkenntnis gekommen, dass die Akademie für die Bühnenkunst nichts für mich ist. Was könnte ich noch auf der Akademie von mir geben und dazulernen? Nichts. Die Akademie ist nicht notwendig. Ich werde mich weiterhin mit der Filmschauspielerei beschäftigen und wenn das Geld ausgeht, suche ich mir was Neues. Ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich in der Pause zwischen zwei Filmaufnahmen mein Geld mit Verkauf von Kohl/Gemüse auf dem Markt verdient habe. Ich bin ein Arbeiterkind, Film und Ruhm haben mich nicht verändert.
Wie kamen Sie zum Film?
Das ist eine lange Geschichte. Kusta (Kusturica) entdeckte mich und meine Eltern unterschrieben den ersten Vertrag in meinen Namen. Ich habe mich an Kusturica gewöhnt, er ist kein anstrengender Regisseur, schreit nicht rum, ist nicht nervös.
Seinen Elan überträgt er gut auf die Darsteller und das gesamte Team. Bevor er mit den Aufnahmen beginnt, versteht er es sehr gut das Team auszuwählen und überlässt es ihnen während der Dreharbeiten selbständig Ihre Rolle zu kreieren. Natürlich, entgeht seinen wachen Augen dabei nichts.
Können Sie uns Ihre Eindrücke nach der ersten Vorführung des Films „Time of the Gypsies“ schildern?
Sich den Film anzusehen, bedeutet eigentlich das neue realistische Bild der Gesellschaft zu erleben. Ich kann keine Szene ausfiltrieren, die einen besonderen Eindruck auf mich hinterließ;
Den Eindruck hinterlässt der gesamte Film. Es gibt da Details die mich nachts nicht ruhig schlafen lassen. Das sind Szenen, die tief ins Bewusstsein kriechen, und ob man will oder nicht, muss man sich
Gedanken über den Film machen.
Wie viel haben Sie bei dem Film verdient?
Vor einem Jahr und vier Monaten, sah dieser Betrag vielleicht riesig aus, aber heute ist er das ganz und gar nicht. Eigentlich habe ich mehr ausgegeben, als das ich verdient hätte. Ich habe ständig gespielt; Ich bin fast immer im Kader. Das ist eine ermüdende und anstrengende Tätigkeit. Den Film sollte man sich erst anschauen und erst dann seine Schlüsse ziehen. Ich glaube das Kusta (Kusturica), die Welt erstaunen und mit dem dritten Film Amerika erobern wird.
Ausdauerstrategie
Der älteste von ihnen, Davor Dujmovic, Mirza im Film, hat eine feste Strategie, und nicht nur wegen dem Film „Strategie der Elster“ („The Magpie Strategy“), in dem er zurzeit mitspielt.
Es stimmt, ich bin von allen am längsten in den Schauspiel-Gewässern geblieben, aber ich weiß nicht warum ... ha, ha, ha ... Wahrscheinlich, weil es Schulmäßig bei mir am schlechtesten läuft ... ha, ha, ha.
Wie sieht das in deinem Fall aus?
Man erzählt allerlei, aber es ist nicht einmal nahe dem was die Leute denken. Ich werde dennoch in dem Wunsch ausdauern eines Tages ein Schauspieler zu werden.
Bist du das nicht schon?
Ich meinte die Akademie. Ich hab zum Kusta und auch zu den Leuten gesagt, dass ich mindestens bis zum 35-sten zu den Aufnahmeprüfungen gehen werde, bis dahin werden sie mich wohl aufnehmen. Werde nervig und hartnäckig sein.
Jetzt sind Sie an einer weiterführenden Musikschule?
Das war nach der Musikgrundschule, der einzige Ausweg um mit der Schulbildung fortzufahren. Und die anderen Schulen und Lehrer und verstehen mich anscheinend nicht so gut... ha, ha, ha ... In der ersten Klasse der Technischen Schule,musste ich ein Studenten-Test schreiben!
Budo Junior in „Strategie der Elster“ („The Magpie Strategy“)ist eine Figur, die dir, wie du sagst, mehr liegt, als die in „Papa“?
Nee, ich sagte es sei eine größere Rolle als die in „Papa“, aber allen Anschein nach, wird dieser Film nicht so groß rauskommen wie „Papa“, so dass ich auf dem gleichen bleiben werde... träumen und Schauspieler sein.
Kusta als Klassenlehrer
Vor fünfzehn Jahren lernte er Kusturica kennen und tauchte ein in die Welt des Schauspiels. Hinter ihm stehen drei große Filme: „„Papa ist auf Dienstreise“, „Time of the Gypsies“ und „Underground“, Serien „Top-Liste der Surrealisten“ und „Slozna braca (Brüder die zusammenhalten)“, großartige Rollen wie die des Perhan und Muta. Er besuchte die Musikschule, liebt Rock ‚n‘ Roll-und Rege, schauspielert einfach, und „nur dann, wenn die Kameras angehen“. Ist mit Leuten aus Sarajevo und Belgrad befreundet, ein Optimist und glaubt an sich selbst. Vom Sternzeichen her ist er doppelte Jungfrau und glaubt nicht ans Schicksal. Er erhielt die Schauspielauszeichnung auf dem Festival in Nis, war für den „Feliks“ in Paris nominiert, wo er 1989 zum einem der fünf besten Darsteller Europas gekürt wurde. Da war Davor Dujmovic nur zwanzig Jahre alt.
Es war nicht leicht Davor zu erreichen. Zurückgezogen und misstrauisch. Nach fünf Jahren
stimmt er einem Zeitungsinterview zu. Er ist etwas schüchtern, bescheiden, intelligent, realistisch, sympathisch und anders. Gerne erzählt er über vergangene Zeiten, raucht viel und trinkt
Kaffee mit viel Zucker.
Klavier statt Akkordeon…
Wie kam er zum Film?
Ich bin im wesentlichen Musiker. Das sagte ich in Cannes auf einer Pressekonferenz.
Als Kind haben mich Mama und Papa in der Musikschule angemeldet, ich entschied mich fürs Klavier. Wir waren arm, ich hatte kein Instrument, aber meine Mutter kannte die Putzkraft in der Schule, die mir nachts das Klassenzimmer aufschloss, und ich habe dort geübt. Natürlich habe ich nicht das geübt was ich hätte üben sollen, ich habe immer einige ihrer gluposti. Aber, am nächsten Tag, im Unterricht, habe ich die Noten vor mich gelegt und das gespielt was ich sollte. Die Musikschule befand sich vor dem Gebäude, wo das Casting für den Film „Papa ist auf Dienstreise“ stattfand. Ich ging zum Probedreh, gefiel Kusturica und alles nahm irgendwie seinen Lauf.
Wie reagierten darauf deine Freunde, die Umgebung und deine Eltern?
Damals hat es noch niemand so ernst genommen, beginnend mit mir, meinen Eltern, Freunden. Erst nach der Goldenen Palme im Cannes wurde es wichtig und ich wurde bedeutend, mir selbst und den anderen. Es folgten An- und Wiedererkennungen auf den Straßen, einige Privilegien.
Wie siehst du heute auf deine Anfänge?
Wir haben mit Liebe gearbeitet. Heute ist alles anders. Wenn jemand eine Stelle bei Kusturica erhält, freut er sich am wenigsten aus Liebe zu diesem Geschäft, sondern vielmehr aus Eitelkeit, dem Auskurieren seiner Komplexe, dem Geld. Ich liebte die Zeit, als man noch mit den Filmkameras arbeitete. Alles sah viel natürlicher aus, was sich auch auf der Leinwand wiederspiegelte. Ich bin ein Gegner der Elektronik.
Perhan als Schicksal …
Die Rolle des Perhan hat dir die meisten Auszeichnungen gebracht?
Perhan kam als Schicksal, um die Hauptrolle nach dem Film „Papa ist auf Dienstreise“ zu erhalten. Perhan ist ein Kult von etwas romanischem und wird dies noch die nächsten zweihundert Jahre sein.
Viele behaupten, dass „Time of the Gypsies“ Kustas (Kusturicas) bester Film ist. Kannst du von dir selbst behaupten ein Künstler zu sein?
Verschiedene Menschen bezeichnen sich selbst als Künstler, und ich finde es etwas daneben darüber zu reden. Geurteilt an dem was ich geschafft habe, wäre es dumm zu sagen ich sei kein Künstler.
Ich weiß nicht, ob jemand aus dem ehemaligen Jugoslawien, mit Ausnahme von mir, für den Oskar nominiert war. Ich denke, dass jemand, der unter den fünf besten Akteure in Europa war, so wie ich, schon ein Künstler sein kann. Für mich ist das so eine Art Rock ‚n‘ Roll. Ich bin in der Lage verschiedene Arbeiten auszuüben, und diese hätten einen künstlerischen Wert. Was auch immer ich mache, bemühe ich mich, dass es nicht einfach und bequem wird.
Deine Rollen fallen unter die Kategorie schwierigerer Schauspielaufgaben. Wie schwierig ist es diese Charaktere zu erschaffen und wie viel von deiner selbst und deiner Ideen steckst du in diese Rolle?
Große Anzahl an Rollen habe ich in Absprache mit dem Regisseur erhalten. Diese Vereinbarung schafft ausreichend Raum, um arbeiten zu können. Ich denke nicht, dass die Film-Schauspielerei eine große Philosophie ist. Es ist mehr eine Sache der Chemie, des Gefühls. Das Scenario ist das „Skelett“, das respektiert werden muss, und 99 Prozent von dem was vor der Kamera geschieht sind meine Ideen in Zusammenarbeit mit dem Regisseur. In „Top Liste der Surrealisten“ gab es dieses Skelett, aber es war alles erlaubt. Oft passierte es, dass die Kamera aktiviert wurde, ohne dass jemand weiß was ich sagen werde. Ich lese und höre die Aussagen von Schauspielern über ihre Vorbereitung auf eine Rolle, wie man da „in einen Charakter eintaucht (steigt)“, sich Transformiert und wenn man so etwas hört könnte man Meinen, dass die Schauspieler sehr zu leiden haben. Das Theater ist etwas anderes. Ich kann mir das Szenario durchlesen und in etwa vorstellen, wie das aussehen sollte. Erst wenn ich auf die Szene trete, mein Kostüm anziehe und meine Partner ihre Kostüme anziehen, läuft das was sein sollte. Das Szenario ist irgendwo im Unterbewusstsein, und was getan werden muss, ist die normalste Sache beim Film. Noch habe ich bei keinem Sciencefiction-Film mitgespielt.
„Mondschauspiel“ (Mjesečeva Predstava) …
In Sarajevo hattest du die Gelegenheit auch im Theater zu spielen...
Mladen Materic und ich haben in Sarajevo das Stück „Mondschauspiel“ ins Leben gerufen. Das Stück war ohne Text, und damit waren wir in Edinburgh zur Gast, im IC-Theater in
London. Es ist ein Theaterstück über das Jeck Nicolson sagte, dass es ihm eine Ehre wäre/sei mitspielen zu können. In diesem Theaterstück, als auch in London, erhielt ich ausgezeichnete Kritiken, die fotokopiert und an der Akademie in Sarajevo zur Schau gestellt wurden. Es war eine Aufführung die total anders war als andere.
Hast du es versucht auf der Akademie aufgenommen zu werden?
Nein. Ich scherze manchmal, dass ich die Akademie nur besuchen würde unter der Bedingung dort zu unterrichten. Ich meine, dass keine Notwendigkeit dafür bestand, weil ich mich mit der Schauspielerei beschäftigen wollte bis ich davon genug habe, bzw. bis das Publikum und die Kamera genug von mir hätten. In der Tat hatte ich nie die Absicht ein Schauspieler zu werden. Es wäre dumm nach 800 Stunden vor der Kamera und nach den Filmen mit Kusturica die Akademie zu besuchen.
Kusta (Kusturica) der Lehrer …
Wen empfindest du als deinen Lehrer?
Das ist absolut Emir Kusturica. Wir kennen uns seit 15 Jahren. Abgesehen von den gemeinsamen Dreharbeiten, des Teilens eines Appartemants und eine Filmaufnahme von ihm dauert länger als 1 Jahr. Selbst, wenn wir nicht gedreht haben, waren wir zusammen, während all dieser Zeit bis zum Kriegsbeginn. Ich habe viel vom Kameramann Vilko Filaca gelernt, der alle Filme von Kusta aufgenommen hat. Kusta war für uns alle wie ein Klassenlehrer.
Passiert es manchmal, dass die Rolle, die du vorbereitest und spielst, in dein Leben außerhalb der Kamera, „hineinspaziert“?
Ich hatte das Glück vor der Kamera spielen zu lernen, ab dem Zeitpunkt, an dem die Kamera an ging. Bei den Dreharbeiten zu „Slozna braca (Brüder die zusammenhalten)“ hat der Regisseur versucht, mir eine Szene zu erklären, aber Nele hat ihn unterbrochen und ihm gesagt, er solle mich „machen lassen“, so wie ich es mir vorstelle. Und nach diesem Kader hat Nele geweint vor Lachen. Diese Szene wird auf dem Video-Band „Slozna braca (Brüder die zusammenhalten)“zu sehen sein.
Wie entstand „Mute“?
Nele und ich sind die einzigen alten Sarajevarischen „Surrealisten“ in Belgrad. Vor zweiundhalb
Jahren, sprachen wir über die Serie, nur so, unverbindlich, und Nele schrieb währenddessen
so langsam das Scenario auf. Für die Figur, die ich spiele, haben wir uns entschieden, weil ich in der Serie „Top-Liste der Surrealisten“ einen sehr guten Sketch hatte, wo ich in der Fabrik des „Nichts“ völlig ausraste. Dann haben wir uns entschlossen, dass ich ein nervöser Schnurbärtiger sein werde, der keine Ahnung von irgendetwas hat.
Wie sind die Reaktionen auf diese Figur?
Nach all dem was ich gedreht habe, bin ich an diverse Lobe, Kritiken, Provokationen… gewöhnt. Auf positive Reaktionen reagiere ich positiv auf negativ indifferent. Viele Leute wollen unter allen Umständen in Kontakt mit mir treten. Viele wissen nicht, wie sie es anstellen sollen, so dass es zu Provokationen und blöden Annäherungsversuchen kommt, während einige ganz normal auf einen zukommen und um ein Autogramm bitten. Mir ist es bewusst, dass das der Preis des Ruhms ist.
Vor kurzem haben die Surrealisten, die in Sarajevo geblieben sind, Ihre Top-Liste der Surrealisten
gedreht. Wie hast du das/sie erlebt?
Es/Sie ist in schwierigen Kriegs und Politik-Bedingungen entstanden. Dieses Team hat dem ganzen politischen Druck standgehalten. Sie haben etwas erschaffen, was den vorherigen Surrealisten ähnelt. Es war sicherlich schwierig, dies zu tun, denn es geschah dass mitten in den Aufnahmen das Bombardieren begann. Und dann räumst du Kameras,Beleuchtung weg und solltst eine Humorsendung / Komoedie drehen. Diese Leute haben all das ausgehalten. Was die Politik anbelangt, sind sie neutral geblieben. Ich wűrde sie hoch bewerten in Bezug auf die Bedingungen unter denen sie arbeiteten und was das was wichtig ist in Ihrer Top-Liste der Surrealisten gibt es keinen Hass auf irgendjemanden.
Viele denken, dass in der Serie „Slozna braca (Brüder die zusammenhalten)“ Branko Djurica-Djuro fehlt?
Leute vergessen, dass die Zeit vergeht/fließt. Djuro ist zur Zeit in Slowenien, und arbeitet dort beim TV. Er wäre sicherlich ein großes Plus im „Slozna braca (Brüder die zusammenhalten)“ aber nicht so sehr wie die Leute denken. Diese Serie unterscheidet sich sehr von die „Top-Liste der Surrealisten“.
Wie würden Sie sich beschreiben?
Weiß nicht, dass könnte ich nicht beantworten. Das beantworten meistens andere. „Schoen und reich wie ein Schauspieler“.
Ich fragte, weil die Zuschauer oft den Schauspieler mit der Figur die er spielt identifizieren doch bin ich sicher, dass du nicht so bist und auch nicht sein willst wie Perhan oder Mute?
Die Menschen sind sehr merkwürdige Wesen. Nach jedem Film oder Serie, fällt ihnen als erstes die Figur die ich spiele ein, aber wenn sie mich ein wenig länger betrachten wuerden, wűrden sie mich sicherlich Davor nennen. Ich habe mich daran gewoehnt, aber ich weiß, dass ich bis zum Lebensende nicht Mute bleiben werde. Perhan hat bereits begonnen etwas zu jenjava ...
Deine Vision der Zukunft, Pläne ...
Dies ist eine komplizierte Frage, vor allem für mich, da ich meine Stadt verlor. Ich habe keine konkrete Pläne, und denke dass ich sie in naher Zukunft auch nicht haben sollte. Ich warte darauf, dass sich die Situation beruhigt ... Im Fernsehen kann man jeden Tag Sendungen sehen, die unter
jedem Niveau sind, die ohne jegliches Kriterium ausgestrahlt werden. Ich warte darauf dass dies vorbeigeht und denke mir: „ lass sie, lass sie sich alle austoben, dann wird hoffentlich/wahrscheinlich etwas beginnen was Wert hat, oder? Sie wissen, dass ich ein guter Schauspieler bin, aber ... Ich warten darauf, dass sich die ganze Erde/ der ganze Erdeball beruhigt
Optimist mit Grund…
Dein Musikgeschmack?
Die einfachste Antwort ist Rock n’ Roll und Rege. Das ist die Musik, die ich höre, schätze und achte. Natürlich ist auch der heimische Rock n’ Roll dabei – YU-Notalgie. Von Rege mag ich
am liebsten Bob Marley, vom Rock her Stones, Police. Und der heimische Rock ‚n‘ Roll hat
so seine eigene Geschichte ...
Bist du ein Optimist?
In der Regel, ja. Vor allem, wenn etwas von mir abhängt. Dann kann ich ein Optimist mit Grund sein. Ich glaub’ an mich.
Lebensmotto, wonach strebst du?
Geld.
Schicksal?
Ich glaube nicht an das Schicksal, Hokuspokus und Horoskope. Im Horoskop bin ich doppelte Jungfrau, was viele entsetzt. Ich habe einige Horoskope gelesen und konnte mich selbst in ihnen nicht finden. Ich würde das Schicksal eher in Zufall umbenennen, denn Schicksal ist eine religiöse Form.
Liebe. Wie viel davon trägst du in dir und wie viel Kraft erhältst du von ihr?
Ich vermute, dass ich eine emotionale Person bin. Liebe, egal wie sie ist, nimmt viel Einfluss auf mich. Ich kann nicht sagen, dass von ihr alles abhängt, aber sie reicht aus um meine Stimmung zu verändern. Meine Definition der Liebe ist: Liebe geschieht zufällig, und in schwierigen Situationen
sieht man, wie stark sie ist.
Hau ab!!
Um uns mit Davorm Dujmovic zu treffen, mussten wir alle Tricks der unaufhaltsam Marfi Braun anwenden. In drei Tagen riefen wir ihn zehn- bis fünfzehnmal an, sprachen tatsächlich auch mit ihm, aber zum versprochenen Gespräch kam es nicht.
Entweder ist der junge Held um zwei Nachmittags zu schläfrig, oder er ist zum vereinbarten,
Zeitpunkt nicht zu Hause. Doch, als wir uns nach allem vor seiner Wohnungstür einfinden, gab es kein Entkommen mehr. Durchs hartnäckige Sturmklingeln alarmierten wir zuerst die Nachbarin Dragica.
Sie hat mit den Dujmovics irgendwelche abgemachten Signale fürs Türöffnen, so dass wir uns von Angesicht zu Angesicht mit dem halbangezogenen und zerzausten Memo-Hamus fanden. Wir steckten ihn in den schwarzen „Käfer“ und ab ging es Richtung Redaktion VEN.
Davor hatte keine Lust in der zweiten Serie der „Top-Liste der Surrealisten“ aufzutreten und für den Auftritt in der dritten kam er mit dem Leben gerade noch davon:
Die Armee (Bundeswehr) hat mich etwas genatzt. Ich war in Trebinje beim Bund/in der Armee einige Tage, aber die Leute hatten Verständnis mir gegenüber und ließen mich. So bin ich irgendwo bei den Aufnahmen zur zweiten Episode dazu gestoßen. Dann haben wir in den Sketch übers Parlament Perhan eingeschmissen, so dass es aussah als wäre ich von Anfang an dabei gewesen. Diese „Top-Liste“ wurde ganz anders als die erste und zweite gemacht, aus mehreren Gründen. Die zweite wurde von Ciro regiert, was super war. Ciro ist im besseren Kontakt mit uns und mit den folovima des neuen Primitivismus, während Benjamin das weniger oder fast gar nicht ist. Damit alles wie am Schnürchen lief hat Djuro mit ihm Regie geführt. Die komplette Kombination: Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler, sind in der „ Top-Liste „ völlig anders als beim Film. Das Scenario betrug ca 30%, wovon wiederrum 50% geändert wurde. Wir trafen uns um neun Uhr beim TV, um mit dem Dreh um 15Uhr zu beginnen. Diese 6 Stunden haben wir uns den Gag ausgedacht, den wir
an diesem Tag drehen wollten.
Es gab sicherlich auch Tage wo euch das nicht von der Hand ging...
Wir waren sehr belastet mit diesem Ausdenken von Gags. Eine Komödie ist am schwierigsten
zu machen, das wissen wir alle. Nach einiger Zeit haben wir völlig die Kriterien dazu verloren.
Wenn wir zwei - drei Stunden über einen Gag diskutieren, so wird er nicht nur nicht mehr lustig,
sondern anstrengend.
Wer hat Djasmin und Hamus „erfunden“?
Sie wurden aus Zeitmangel konzipiert. Da gibt es keine großartige Logik, obwohl die Menschen sobald sie es sehen, es sofort mit etwas „beginnen zu binden“. So war das auch mit Šahbaz. Wir brauchten etwas, um den leeren Raum zu füllen, und nun herrscht in ganz Bosnien Verwirrung darüber wer Sahbaz ist. Viele glauben er sei Politiker, andere wieder er sei Portier.
Denn in der Regel hält man die „Top-Liste“ für etwas wie einen Propheten oder für etwas, dass jemanden imitiert und dadurch wird man irritiert. Nehmen wir mal den Gag „bjaaazi“ (hau aaab), er entstand so, dass wir uns überlegten was könnte ganz Sarajevo morgen nach der Episode rufen, so dass es brummt. Das ist ein Gag von Djuro. Erst, fiel ihm ein „hau ab“, als nächstes dann „hau aaab.“ Und Memo entstand auch zufällig in einer Sequenz einer Szene, doch hat er sich ausgebaut, entwickelt und wurde zu etwas.
Wie fand sich Sega unter den Surrealisten?
Nun Sega ist ... Sega ist ganz toll. Er wohnt in Ilidza, so dass es für ihn etwas schwieriger lief.
Planst du dich mit der Schauspielerei auch zukünftig zu beschäftigen?
Es gibt da einen schönen Plan. Das ehemalige Kino „Sutjeska“ wurde der Open-Szene „Küste“ zugeteilt und in diesen Räumen werden einige von uns aus der Open-Szene beschäftigt werden.
Außerdem, habe ich bis zum heutigen Tage noch nicht beschlossen Schauspieler zu sein. Würde sich etwas besseres, lohnenderes, ergeben würde ich die Schauspielerei bis ans Lebensende vergessen. Hier werden keine Werte geschätzt. Von der Schauspielerei hast du nur das, das man dich auf der Straße provoziert und am Telefon veräppelt. Hast weder besonders viel Geld, noch eine Villa. Als Sylvester Stallone nach Budva kam, haben die Montenegriner geschrien: „Schaut ihn euch an, wie klein er ist ...“ Das Wichtigste ist jedoch das diese Serben und Kroaten in Ordnung kommen. Das sie sich endlich mal trennen und dann lieb gewinnen. Doch Aljo (Izetbegovic) ist ein Gott ...
Wie ein einsamer Wolf
Davor Dujmovic, den berühmten Perhan aus dem Film „Time of the Gypsies“ von Kusturica
haben wir sehr schwer gefunden. Da wir Davors alte Bekannte sind, hat uns seine Mutter sein
„einsames Versteck“ preisgegeben, in das sich Davor vorübergehend zurückgezogen hat, etwa dreißig Kilometer von Sarajevo. Wir irrten nicht viel umher. 40 Minuten später, erkannten wir das beschriebenen Haus. Ein Ambiente für eine echte Erholung. Ruhig. Göttliche Natur. Die Tür öffnete uns Davor, etwas verschlafen. Ich hatte schon Angst bekomme, dass aus dem Gespräch nichts wird, da
Davor eine sehr verschwiegene Person ist. Jedoch...
Wie kommst du hierher und was machst du in dieser Isolation/Einöde?
Nun, weiß nicht, hier bin ich da es schöner ist als in Sarajevo. Nun ja, ist mir klar, da ich gerade erst aus der stickigen und smogüberzogener Stadt komme.
Aber, sag uns, was du hier eigentlich tust?
Ich erhole mich hier von allem ... Ich meine nicht vom „Time of the Gypsies“ und allem was da herum passierte: Reisen, Festivals, Aufnahmen, Interviews, Gastieren. Ich erhole mich von diesen meinen 20 Jahren. Ich bleibe hier fünf - sechs Monate.
Ich beabsichtige mich gut zu erholen – für die nächsten 20 Jahre. Es gilt neue Energie/Kraft zu akkumulieren / tanken.
Wie gedenkst du dich zu erholen: Rumsitzen und Nichtstun? Hast du vielleicht ein
entwickeltes Entspannungssystem?
Ich hab ein System. Gucke Filme, lese Bücher... Ich beabsichtige, im September,
Literatur einzuschreiben. So dass ich diese Zeit als Vorbereitung fürs Studium nutze. Ich habe kein
bestimmtes Ziel, das ich diese sechs Monate befolgen werde, und bin nicht einmal sicher, ob ich
wissen werde, was mein Ziel sein wird, bevor fünf Monate vergehen. Erst im Juni,
werde ich mir im Klaren darüber sein, ob ich überhaupt studieren werde.
Moment mal, du bist doch hoffentlich nicht in einer „strikten Isolation“? Du wirst doch wahrscheinlich mal nach Sarajevo müssen?
Ach, nee.. Drei bis vier Mal pro Woche fahre ich nach Sarajevo, um einige Geschäftchen zu erledigen, Aufnahmen zu machen, sagen wir z.B. diesen Santic!
Erzähle ein bisschen über diese Geschäftchen, Arrangements ...
Das ist, du weißt schon, nur um nicht nichts zu tun. Wobei ich auch ohne das könnte. Lieber ist mir, wenn ich etwas beginne dieses dann auch zu Ende zu führen. In „Aleksa Santic“ kann ich nicht etwas beginnen und beenden, wenn das fünf Tage dauert, und dann wieder fünf Tage ... dann ist es viel mehr, wegen irgendwelchem Geld.
Hast du noch irgendwelche Arbeitsverpflichtungen?
Eigentlich, arbeite ich. Das ist ein Engagement im „Mondschauspiel“ (Mjeseceva predstava). Hier in Sarajevo, wird sie ein bis zweimal im Monat aufgeführt. Vor kurzem bin ich aus London zurückgekehrt, wo wir anderthalb Monate mit der Vorstellung gastierten.
Und, wie ist London?
Na ja, London. Dort spielten wir in dem berühmtestem ICA Theatre - was eine wahre/große Ehre ist.
So dass für mich allein das von London vollkommen ausreichte! Mehr brauche ich nicht. Im Mai fahren wir nach Spanien, danach nach Paris.
Was hast du aus London mitgebracht?
Kosten!
Nun, ich dachte mehr an irgendeine Erfahrung, eine neue Erkenntnis ...
London ist, du weißt schon, eine richtige Stadt! Noch immer gibt es einige schöne Dinge, denen sie nicht zuließen in die „Maschine der Moderne“ einzufließen. Ich war im Planetarium, im Zoo, im Haidpark…
Hast du etwas im Haidpark geschrien?
Nein. Ich ging in den Haidpark um zu schweigen.
Warte mal, bitte. Dir geschehen einige Sachen, von denen man nur träumen kann, und du behandelst sie einfach so, schweigst. Es doch wohl nicht so, dass dir das alles unwichtig ist?
Nein, es ist nicht mir nicht unwichtig. Nur finde ich es doof das es mir wichtig wäre.
Das ist ein Weg den du jetzt gehst. Ein schöner Weg!
Ja, und ich bin auch mit diesem Weg zufrieden. Aber, du kennst das, Träume sind viel schöner als die Realität. Sagen wir mal, als ich von London träumte, war es viel schöner, als wo ich tatsächlich dort war.
In diesem Jahr hast du wirklich viel gereist. Mit Kusturica warst du in Belgien. Wie ist es dort?
Ach, die Belgier sind Götter. Wir waren dort internationale Stars. Sobald wir den Flieger verließen, brachte man uns direkt zum Festival, damit wir es eröffnen. Dort wurden Million Filme und eine Menge Schauspieler gezeigt: ganz anders als im Cannes, viel geschlosseneren Typs. Was die Intensität anbelangt, so ist es gleich, nur das dort die gesamte Energie an einem Ort versprüht wird. Es war schön aus einem Sarajevo, wo du irgendetwas Sinnloses machst, nach Brüssel zu kommen, wo internationale Stars sind.
Ich habe gelesen, dass der Film erst ab 16 Jahren freigegeben wurde. Was ist das für ein Gag /Trick?
Das ist es wiederum: die Belgier sind Götter! Ich vermute das dies mehrere Gründe hat: als erstes wegen der Werbung! Ach, Kinder unter 16 gucken sich solche Filme gar nicht erst an.
Ein Lockmittel für die über 18? Und auch für Mütter und Väter?
Ja. Damit sich Vater und Mutter den Film anschauen um festzustellen warum die Kinder ihn nicht sehen sollten. Darin liegt wohl der Gag. Sie haben ihre Bedingungen, Gesetze, durch die so etwas auch möglich ist. Das ist ihre Chance.
Wenn du alles zusammenfassen würdest, was du aus diesem Film erhalten hast: materiell, geistig...
Materiell? Habe ich nichts bekommen.
Nun, hör mal, du stehst da drüber!
Ja, tue ich. Ich habe das erhalten: die Chance all das zu tun, war ich getan habe. Das ist hier sehr schwer zu bekommen, fast unmöglich. Unter „das“ verstehe ich alles was ich habe: diesen Jogginganzug... und das Haar auf meinem Kopf, und. .. ach, alles. Und das erhielt ich von
Menschen mit denen ich arbeitete, von Menschen, die mich lieben. Oder vielleicht auch nicht lieben! Von Menschen, die das lesen werden...
Die Menschen lieben dich. Warum sollten sie dich hassen?
Na, ich habe Bora getötet!
Ach, das war im Film.
Ja schon. Ich komme wieder zurück zu dem, was ich von dem Film bekommen habe. Und ich bekam das, dass ich selbst entscheiden, denken kann. Und ich erhielt das, dass ich nichts machen muss, was ich nicht mag. Was ein großer Vorteil ist.
Mensch, Davor, das ist auch ein großes Glück! Frei sein auf diese Weise? Das ist der Gipfel der Freiheit.
Ja. Solche Lebenschancen haben für mich die Ähnlichkeit mit: du könntest auf den Mond fliegen, aber schauen wir mal.
Du hast es jedoch geschafft auf den Mond zu fliegen. Wenn diese Abwesenheit von dir vorbei geht, wenn diese sechs Monaten deines Nirwanas vorüber sind, nehmen wir an du fängst an zu studieren, wo wird dann Davor der Schauspieler sein?
Weißt du was, ich gedenke mich wie bisher weiterhin mit dem Film zu beschäftigen, doch mit bestimmter Grenze. Wenn ich aufhöre mich mit dem Film zu beschäftigen, so werde ich es nie wieder machen. Ich würde es dann für immer beenden. Ich begann ja auch das Schauspielerleben ganz zufällig. Wenn ich entscheiden würde ein Schauspieler zu werden, wenn ich die Schauspielakademie besuchen würde, anfangen würde mich anzustrengen und zu bemühen, dann wäre das nicht mehr dasselbe.
Das wäre dan pieonazam! Du hast eigentlich die Schauspielprüfung in der Klasse von Professor
Kusturica abgelegt! Du hast die Höchstnote erhalten.
Ja! Das was nun ist, ist gut – da es spontan ist. So dass es sinnlos ist dies kaputt zu machen.
Gibt es Angebote/Aufforderungen für irgendwelche Rollen?
Das einzige Angebot, das ich als Angebot ansehen würde, wäre ein eventueller Anruf aus New York von Kusturica. Dies wäre, ich wiederhole, eventuell die Rolle des Raskoljnikov im Film
„Schuld und Sühne“. Das ist eigentlich das, worüber wir am Anfang sprachen. Das wäre das, was ich beginnen, daran lange und engagiert arbeiten würde und es beenden. Ich würde wieder ein „halbes
Leben „ dafür abzweigen, aber es wäre lohnenswert. Dies wäre eine Arbeit wie beim „Time of the Gypsies“ nur mit einem großem Unterschied. Zum Dreh von „Gypsies“ ging ich völlig unvorbereitet hin. Bei diesen Aufnahme verlor ich viel Energie, Kilos, alles, aber ich war vorbereitet. Für diesen eventuellen Dreh, werde ich mich gut vorbereiten. Das ist nicht nur eine Vorbereitung für eine Rolle, dies ist eine Vorbereitung auf alles was mich ereilen könnte. Natürlich, ich lese auch Dostojewski. Es gilt die Menschen und die Zeit kennenzulernen. Die Rolle des Raskoljnikov ist noch weit entfernt von mir.
Was ist deine Meinung zu dem ganzen Geschehen im Land? Interessiert dich das alles und denkst du überhaupt darüber nach?
Weißt du was! Zehn Tage habe ich nicht, die Antenne für den Fernseher aufgestellt. Ich habe mir nur Filme auf Video angeschaut. Und ich hatte keine Chance Zeitungen zu kaufen, selbst wenn ich es gewollt hätte, da ich spät aufstehe. So dass ich eine Zeitlang auch nichts verfolgt habe. Das ist mein System. Es passierte mir, dass ich bis zu einem Monat nicht Fern sah oder Zeitungen las. Und dann, als ich vor kurzem den Fernseher anmachte, auf Kosovo - Krieg! Wann immer ich so, für einige Zeit den Kontakt zur Welt „unterbrach“ – passierte etwas Schlimmes. Wenn es nicht Kosovo war, so war es Agrokomerc... In diesem Land muss sehr viel geregelt werden. Aber wenn eine Lösung für Kosovo gefunden wird, kann ich nicht ganz glücklich sein, weil ich weiß, dass wieder ... Slowenier etwas sagen werden, und die Leute sich wieder aufregen werden, und so fort, bis etwas grundliegendes nicht getan wird.
Was denkst du, was man grundliegendes tun könnte?
Nun, darunter verstehe ich einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren. Alles ist so schwierig geworden, so dass man nur noch normal leben kann, so wie ich es tue - durch Vermeidung aller sozialen Faktoren, die mich fertig machen. Die machen mich fertig, denn ich bin nicht mal in der Lage ein Buch in Ruhe zu lesen, weil irgendwo in meinem Land Leute getötet werden / sterben. Mladen Materic, der Mann der „Mondschauspiel“ (Mjeseceva predstava) regiert hat, sagt, dass die Dinge gar nicht mehr so sind wie sie mal waren. Eigentlich, hier ein banales Beispiel: dieser Aschenbecher ist nicht wie er einmal war, da er nicht so sein kann wegen der gesamten Situation. Wäre alles in Ordnung, wären diese Tassen, der Kaffekocher, der Zucker…. in Ordnung, dann wäre auch der Aschenbecher gleich. Jedoch, wenn die Tassen zerbrochen, der Zucker verschüttet, der Kaffekocher umgekippt und alles rund um verschmiert ist – kann auch der Aschenbecher in diesem Chaos nicht schön bleiben. Und ich kann nicht mit Freude, die Zigarettenasche abschütteln. Es ist sehr schwer das irgendetwas in Ordnung ist, das es wie geplant und wie es sein sollte ist. Die einzige Möglichkeit ist, das einige Zeit vergeht, dass die Menschen - ich meine, die Politiker und andere- etwas für dieses Volk tun. Ich bin überzeugt, dass unser Land durch diese zeitliche Katharsis durch muss. Das sind wieder etwa 30 Jahre, die erforderlich sind, damit die Menschen in sich, in ihren Köpfen, all diese Veränderungen in die richtigen Bahnen lenken.
Emir Kusturica hat die Auszeichnung von AVNOJ erhalten. Einige Leute waren begeistert von seiner Rede bei dieser Gelegenheit, und einige haben ihm die „kritische Überprüfung“ verübelt ...
Das, das einige begeistert waren und einige es ihm verübelt haben, sind diese dreißig Jahre über die wir gesprochen haben. Genau so viel benötigen manche Menschen um manche Sachen zu verstehen. Er hat diese Auszeichnung erhalten, als er bereits alle anderen Auszeichnungen außerhalb unserer Grenzen hatte. Das ist die erste Sache, die irregulär ist, aber na ja irgendwie kann man die noch rechtfertigen. Wobei die Unzufriedenheit derjenigen, die ihm etwas übel nahmen, nicht gerechtfertigt werden kann. Das ist alles ein bisschen komplexer als es scheint, als es ist. So dass das alles für Emir furchtbar anstrengend war. Gemäß der Logik der Dinge, wenn man eine Auszeichnung erhält, sollte man glücklich sein. Jedoch war Emir nicht so glücklich, wie er es sein sollte.
Sie werfen ihm vor, dass er alle Weltauszeichnungen sehr glücklich und zufrieden entgegennahm, und diese Auszeichnung mit solch einer Rede begleitete, die nicht mit der Rede eines „dankbaren“ Mannes übereinstimmt?
Nun, man kann nicht glücklich sein, wenn man eine Auszeichnung aufgrund ihrer physikalischen Form, ihrer Funktion und Pose erhält. Es hängt immer, wie bei dem Aschenbecher, von den Tassen, dem ganzen Drumherum ab, von dem was dich umgibt. Und Drumherum ist alles zerstört und zerbrochen ... und wie kann man in solch einer Umgebung glücklich sein, wegen einer Auszeichnung. Wäre ich glücklich, so wäre dies eine Lüge. Das wäre etwas, das herauswächst aus der Maschine, die ununterbrochen arbeitet ...
Kusturica konnte sicherlich nicht die Auszeichnung schweigend entgegennehmen, ohne der öffentlich ausgesprochenen Meinungen über das alles.
Ich glaube, dass er diese Rede hielt, weil er die Möglichkeit hatte es zu tun. Das war nicht nur wegen der Auszeichnung, sondern hat er die Gelegenheit ausgenutzt. Er hat mehr als ein Jahr lang nicht mehr geraucht und nach dieser, sehr emotionalen Rede, hat er eine ganze Packung geraucht! Danach, als er zur Gast beim Radio war, fragte ihn ein Typ aus Mostar: „Liebst du dieses Land?“ Ich meine…. ich beginne mir Sorgen zu machen und beginne mich zu fragen, ob ich das sagen sollte, was ich wirklich denke. Wenn Kusta, nach solche einer Rede, eine ganze Schachtel Zigaretten raucht und jemand ihm dann die Frage stellt, ob er dieses Land liebt... Eeeee, das ist ein Albtraum! Allerdings habe ich auf meinen Reisen gesehen, dass überall in der Welt eine Art asozialer und na ja, auch nationaler Spannung herrscht. Aber hier, bei uns, müssen noch diese 30 Jahre vorübergehen ...
Ich habe jetzt in Sarajevo die Geschichte gehört, dass Emir einer der wichtigsten im Ausschuss
für die Gründung einer neuen Partei sein wird, die die Opposition zu den Kommunisten sein soll. Das wiederum nehmen ihm viele übel und interpretieren das als seine List und dem Wunsch möglichst viele Punkte in Amerika zu sammeln. Denn dort ist es sehr populär kein Kommunist zu sein.
Nicht in Amerika oder irgendwo auf der Welt, Emir benötigt keine Punkte um etwas zu erreichen.
So dass es wirklich schwachsinnig ist nur zu denken, dass er durchs Mäuse-vergiften etwas mehr erreichen könnte, wenn es um den Status in Amerika geht. Der Mann hat alles erreicht. Solche Sachen, dass du und ich, wenn wir darüber sprechen würden, locker 50km des Aufnahmebandes verbrauchen könnten.
Wie sehr hat dich diese Euphorie über die Bildung von neuen Parteien bei euch belastet.
Es werden verschiedene Petitionen und Beitrittserklärungen unterzeichnet. Gibt es eine Ideologie, der du dich anschließen würdest?
All das, was jetzt geschieht, unabhängig davon, ob schlecht oder gut, muss im Grunde beginnen, denn die Zeit des Katharsis hat bereits begonnen, die Jahre über die wir sprachen haben begonnen sich zu entrollen. Nun jetzt, ob ich will oder nicht, muss ich mich irgendjemandem anschließen. Ich muss mithelfen, dass es zu irgendwelchen Veränderungen kommt. Wenn ich das sage, so denke ich an alle Menschen. Es ist nicht gut, sich das alles gleichgültig mit anzusehen. Ich, zugegebenermaßen, ignoriere noch immer alles, soweit ich es kann, weil ich auch nicht viel darüber weiß. Hätte ich zumindest einige Fakten, einige Argumente, um etwas tun zu können. Es scheint mir so, als würden wir von Tag zu Tag nur erfahren, dass wir nichts über etwas wussten, wovon wir dachten alles zu wissen.
Wie hast du auf die Unterbrechung der Beziehungen zwischen Slowenien und Serbien reagiert?
Für mich war es das schlimmste, wegen Serbien! Die erste Stadt, in die ich außerhalb meinen
Sarajevo verreiste, war Belgrad. Es ist nicht wichtig, ob ich nach Zagreb, Ljubljana, Paris reise. Alle meine Wege führen durch Belgrad. Ganz Serbien ist, was mich anbelangt, etwas, bedingt gesagt, zivilisierter als Bosnien. Und jetzt höre ich irgendwelche Parolen. Ich weiß nicht, ob ich immer noch die Menschen lieben sollte, die ich liebte. Und auch die Slowenier? Ich weiß nicht, wer die Schuld trägt für diese Unterbrechung der Beziehungen? Aber, wer weiß schon, wofür das gut ist? Was mich da am meisten nervt, ist die Haltung gegenüber Kosovo. Es ist mir klar, dass sie physisch zum Ende, zum Höhepunkt kommen müssen, das ganze Glimmen und Aufwärmen, denn es wird schon unerträglich. Aus diesem Glimmen entstand Rauch, der würgt! Mann sollte das Feuer löschen, damit der Rauch verschwindet. Hier in Bosnien, wir als auch der restliche Teil Jugoslawiens, schauen auf all das, als wäre es ein Film vidjelu. Die einen denken so, die anderen so, aber alle schauen nur zu.
Ich sehe, dass sich seit unserer letzten Begegnung vieles bei dir verändert hat. Du bist sehr
ernsthaft, wenn es sein soll, aber ich würde gerne wissen, ob sich deine Meinung über die Liebe geändert hat? Du warst sehr schüchtern, vor einem Jahr.
Ach, bei mir ändert sich nichts. Das ist dieser Aschenbecher, der gleiche wie beim Drehbeginn
vom „Papa“. Damals ist er entstanden .Und alles, was ich getan habe, tat ich ohne bedenken, ganz spontan.
Und die Liebe?
Und die Liebe ist auf dem gleichen Niveau. Spontan.
In deiner Isolation, wo ist da die Liebe. In Sarajevo? Hast du dich auch von ihr isoliert?
Nein, habe ich nicht. Diese Isolation von mir kann nur die Liebe fördern, weil die Liebe die spontanste und die schönste Emotion ist. Hier in dieser Ruhe, hat die Liebe die Möglichkeit sich auszubreiten... Sie ist da in meiner Nähe. Das ist die gleiche Liebe vom letzten Jahr.
Wie schaust du mit deinen zwanzig Jahren auf die Ehe ...
Ich schaue gar nicht! Das ist ein Rahmen, der mich überhaupt nicht interessiert. Das ist, du weißt schon, außerhalb meines Kreises. Das ist ein viel mehr gesellschaftlicher Faktor als die Liebe.
Einfach für dich, wenn du es geschafft hast dich „einzurahmen“, und alle formalen Dinge
außerhalb deines Rahmens zu lassen.
Nun, dieser Rahmen ist nicht so stark, da er ganz spontan kam. Kann auch leicht geschehen, dass er abfällt.
Es ist gut, dass du nicht stur bist und aus dem „Rahmen“ ein Lebensprinzip gemacht hast.
Es ist nicht gut streng zu sich selbst zu sein und nach Prinzipen zu leben. Die engen ein wenig den Gürtel der Freiheit ein.
Genau. Ich bin nicht so sehr prinzipiell.
Kinder? Sind die in Sicht?
Über die denke ich nicht nach, und werde dies die nächsten fünf Jahre mindestens nicht tun.
Erstens, es ist wieder der Rahmen, ein neuer. Du musst erst mal, zumindest ich, $ 100.000 haben, und dann erst Kinder ...
Au, Davor, man, da übertreibst du aber?
Gut, gut, rein figurativ.
Es wäre gut, wenn wir aus dem Gesamtgespräch eine Schlussfolgerung ziehen: deine Lebensphilosophie (wenn du sie mit zwanzig Jahren haben kannst):
Purer Rock’n‘Roll. Neuer Primitivismus. Das ist das, was noch nicht verdorben ist, zu dem noch nicht vorgedrungen ist und nicht vordringen kann, all das hässliche, was bereits die restliche Welt ergriffen hat, außerhalb des Rock’n’Rolls. Rock’n‘Roll ist wie ein kleines Land, in dem alle schön und gut Leben; Rock ‚n‘ Roll ist – das Paradies!
Du wirst nicht böse, wenn ich deine Telefonnummer veröffentliche, falls es dir langweilig wird ...
Nein, bitte nicht! Mein Konzept der Isolation würde dann flöten gehen